Kleiner Leitfaden Krallenschneiden beim Hund

Krallen selber schneiden ist gar nicht so schwierig. Die Krallen selbst bestehen aus Horn, wie die menschlichen Fingernägel. Das Schneiden tut deinem Hund also nicht weh, solange Du nicht zu weit kürzt.

Bist du viel in der Stadt unterwegs, schleift sich dein Hund wahrscheinlich beim Laufen auf dem Asphalt die Krallen von allein ab. Auch Spiele, wie Buddeln oder Hundesport sorgen dafür, dass die Hundekrallen auf natürliche Weise mechanisch abgenutzt werden. Geschieht das nicht von allein, musst du selbst regelmäßig nachhelfen oder zu einem Hundefriseur oder deinem Tierarzt gehen. Denn zu lange Hundekrallen können gesundheitliche Folgen haben, wie z.B. Schmerzen beim Laufen, empfindliche Pfoten, Verletzungen der Pfoten, Probleme mit dem Gleichgewicht sowie Schäden an Haltung und Gangbild. Wenn die Krallen zu lang sind, können diese sich ins Nagelbett drücken. Das kann dazu führen, dass die Zehen sich zur Seite drücken und die Gelenke zu stark beansprucht werden. Oft kommt es dann zu empfindlichen Pfoten, wunden Stellen oder Schmerzen beim Laufen. Hinzu kommt die Rutschgefahr auf glatten Untergründen, da der Hund aufgrund der langen Krallen nicht mehr richtig Halt findet. Langfristig kann es dadurch zu Muskelverspannungen, Schonhaltung und Haltungsschäden mit Spätfolgen wie Lahmheit oder Arthrose. Ist dein Hund sehr aktiv und sportlich, kann es zudem schnell zu Verletzungen kommen, da die zu langen Krallen leichter abreißen oder splittern können. Verletzungen der Krallen sind sehr schmerzhaft und oft auch langwierig. Bei älteren Hunden nutzen sich die Krallen oft zu wenig ab und die eingeschränkte Beweglichkeit wird noch mehr begrenzt. Hier ist Krallenpflege auch ein Beitrag zum Wohlbefinden im Alter.

 

Vorbereitung

Gewöhne deinen Hund an den Vorgang und die Utensilien – zeigen ihm diese und gewöhne ihn an die Geräusche (wenn dein Hund längeren Behang hat, ist es gut, diesen an den Pfoten auch immer etwas zu kürzen. Am Anfang findet dein Hund das vielleicht etwas unangenehm. Er wird sich daran gewöhnen).

Finde für den Anfang einen immer gleichen Ablauf und den gleichen Platz

Du solltest dort gutes Licht haben oder eine Stirnlampe verwenden, damit du wirklich siehst, was du da tust.

 

Ablauf

Hinlegen

Pfoten bearbeiten, z.B. erst die beide vorne und dann beide hinten oder erst die oberen beiden und dann die unteren beiden (wenn dein Hund sich gut hinlegt, kannst du auch die oberen Pfoten machen und ihn dann auf die andere Seite legen. Probiere aus, was gut für euch passt.)

Erst alle Krallen an einer Pfote schneiden, dann feilen, dann evtl. zu langen Behang kürzen. So hast du einen immer gleichen Ablauf, der euch beiden in Fleisch und Blut übergehen kann.

 

Übe den Ablauf schrittweise und belohne / lobe viel (Leckerchen, Klicker, was auch immer euer Lobesritual ist)

Mache lieber kleine Schritte

Übe das Hinlegen. Dein Hund sollte sich auf Kommando vertrauensvoll auf die Seite legen und es sollte okay sein, dass du dich dazu setzt.

Wenn dein Hund sich leicht hinlegt und es okay ist, wenn du daneben sitzt, übe das Nehmen der Pfoten und belohne, wenn du jede Pfote halten darfst. Kämpfe nicht mit deinem Hund um die Pfote. Wenn er wegziehen möchte, sage, dass du das bemerkst und lasse die Pfote los, wenn dein Hund sich wieder entspannt hat.

Wenn dein Hund sich gut hinlegt und dir gerne seine Pfoten gibt, dann tue so, als würdest du jede Pfote bearbeiten. Wechsele zwischen Krallenschere und Feile und Schere.

Wenn das alles gut geklappt hat, dann bearbeite jede Kralle nur kurz. Denke daran, du willst erstmal kein perfektes Ergebnis, sondern diesen Ablauf üben bis er Routine geworden ist. Wenn die Krallen dann noch etwas lang sind, nimm das erstmal hin.

Wenn das alles gut funktioniert, dann seid ihr bereit für die erste normale Runde 😊

 

Sei nicht enttäuscht, wenn dein Hund einen Schritt nicht mag. Nimm dir Zeit und übe ruhig und beständig, so lange bis es klappt. Sei einfach ein bisschen beharrlicher als dein Hund. Bleibe dabei sanft und fair. Und denke daran, dass das Krallenkürzen für sein Wohlbefinden wichtig ist, d.h. du lässt dich nicht irritieren oder weichbetteln, sondern bleibst freundlich und bestimmt dran 😉

 

Wenn dein Hund das Krallen schneiden gut kennt, kannst du flexibler sein im Ablauf.

Wie oft?

Du solltest die Krallen je nach Abnutzung alle 2 bis 3 Wochen feilen. Dann dauert es insgesamt nicht so lange.

So kannst du testen, ob die Krallen deines Hundes zu lang sind: lasse ihn stehen und schiebe ein Blatt Papier unter seine Krallen. Lässt es sich ganz einfach darunter schieben, ist die Krallenlänge gut. Bleibt es jedoch hängen, solltest du die Krallen kürzen.

 

Dein Werkzeug

Krallenschere / Krallenzange – kaufe ein Produkt für Hunde, damit der Schnitt kräftig genug ist. Wenn die Zange zu leicht ist oder zu klein, dreckig oder abgenutzt, quetscht sie die Kralle mehr als das sie schneidet. Das gilt auch für Nagelzangen oder Nagelknipser für den Menschen. Achte beim Kauf auch auf die Empfehlung für Grösse / Rasse. Kleine Knipser eignen sich für kleinere Rassen und große, robuste Krallenscheren sind bei größeren Hunden besser. Mit einem zu großen Werkzeug kannst du das Innenleben der Krallen verletzen. Einen elektrischer Fräser oder Dremel empfehle ich dir für den Anfang nicht. Du kannst abrutschen und deinem Hund unabsichtlich weh tun. Wenn du eingeübt bist, kannst du das dann gerne testen. Übe damit für deine Sicherheit im Handling erst ohne deinen Hund und auch hier gewöhne ihn an das Geräusch. Bedenke, dass du so schnell viel Horn abträgst, d.h. schaue sehr genau beim Arbeiten!

Feile – hole dir eine Feile aus dem Fachhandel oder nimm fürs erste eine Hornhautfeile aus dem Supermarkt

Worauf musst du achten?

Zu lange Krallen können auf Dauer zu Fehlbelastung und Haltungsschäden führen. Daher solltest Du darauf achten, dass die Hundekrallen nicht länger sind, als der Ballen.

Wenn dein Hund auf festem Untergrund steht, sollten die Krallen den Boden nicht berühren. Klicken die Krallen, wenn der Hund über Laminat oder Kacheln läuft, heißt das übrigens gar nichts. Denn beim Laufen und Abrollen der Pfoten, berühren auch kurze Krallen den Boden.

Schneide die Krallen besser stückchenweise in kleinen Scheiben, anstatt einmal ein großes Stück abzuschneiden. Achte auf die ersten Anzeichen der Nerven und Blutgefäße.

Achte darauf, dass die Krallen nicht zu lang werden, sonst reichen die Nerven und Blutgefäße in der Kralle immer weiter in die Hornsubstanz hinein. Je länger die Nägel werden, desto länger wird also auch das „Leben“ darin und wandert immer weiter Richtung Krallenspitze. Das macht es später schwierig, die Krallen wieder auf eine normale Länge zu kürzen und kann dann nur schrittweise erfolgen. Ist dies jedoch bereits passiert, solltest du die Krallen einmal in der Woche ein paar Millimeter abfeilen. So können sich die Blutgefäße Stück für Stück wieder zurückziehen. Je häufiger du das tust, desto schneller bildet sich der durchblutete Bereich zurück.

Wolfskrallen schneiden?

Die sogenannte Wolfskralle befindet sich innen an den Hinterläufen mancher Hunde, meist bei größeren Rassen. Sie ist auch als Afterkralle, Afterzehe oder Hubertuskralle (Daumenkralle) bekannt und ist eigentlich ein Überbleibsel, das bei den meisten Hunden im Laufe der Evolution verschwunden ist. Sie hat keinen Kontakt zum Boden und erfüllt auch keinerlei Funktion mehr. Da sich der Nagel der Wolfskralle nicht abreiben kann, wächst er im Laufe der Zeit immer länger. Dabei kann er sich in die Haut schneiden und zu schmerzhaften Verletzungen führen oder der Hund bleibt beim Spielen und Toben daran hängen und kann sich die Wolfskralle abreißen. Auch Wolfskrallen sollten regelmäßig kontrollieren und geschnitten werden, um Verletzungen zu vermeiden.

 

Hundekralle beim Schneiden verletzt – So stoppst du die Blutung

Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass du die Kralle zu weit abschneiden und diese blutet. Bewahre jetzt Ruhe, auch wenn dein Hund jault und es stark blutet. Meist kannst du die Blutung mit einem Stück Mull stillen. Zuerst solltest du die Stelle abtupfen und dann mit einem Stück Pflaster versehen. Alternativ eignen sich auch Kernseife oder blutstillende Präparate wie Alaunstift oder Kaliumpermanganat, die blutstillend wirken und gleichzeitig desinfizieren.

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